Feuchte Hochstaudenfluren

An den Ufern von Flüssen und Bächen gedeihen besondere Pflanzengesellschaften aus hochwachsenden Stauden. Sie sind gut an die Standortbedingungen am Gewässer angepasst und heben sich oft merklich von der Vegetation anderer Orte ab1. Die Zusammensetzung des Bodens am Ufer zusammen mit den vorkommenden Pflanzen bilden einen charakteristischen Lebensraum. Auch die Landschaft der Diemel wird vielerorts von solcher Ufervegetation geprägt.

Feuchte Hochstaudenflur an der Diemel

Der Lebensraumtyp

Die Pflanzenarten die an Ufern von Flüssen wie der Diemel gut gedeihen, haben sich besonders an den feuchten Boden, das zeitweilige Hochwasser und den Schattenwurf von Bäumen angepasst. Weiterhin sind diese Standorte oft eher nährstoffreich.1 Charakteristische Pflanzenarten sind unter anderem die Gemeine Pestwurz (Petasites hybridus), die gewöhnliche Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris), das zottige Weidenröschen (Epilobium hirsutum) und das echte Mädesüß (Filipendula ulmaria)2. Viele andere Arten kommen ebenfalls vor. An den renaturierten Abschnitten der Diemel, nahe der Freizeitanlage, ist besonders die Gemeine Pestwurz auffällig. Sie hilft, zusammen mit den Bäumen der Auwälder, das Ufer zu stabilisieren. So entsteht ein wichtiger Lebensraum für verschiedene Tiere wie zum Beispiel Amphibien oder Insekten.

Gefährdung

Der Uferbereich von Gewässern ist eine Fläche, die in der Regel nicht landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich genutzt wird. Dennoch kann zum Beispiel ein versehentlicher Eintrag von Dünge- oder Pflanzenschutzmitteln, die mit dem Regen aus angrenzenden Feldern ausgewaschen werden, das ökologische Gleichgewicht am Standort der Ufervegetation stören. Außerdem können Pflanzengesellschaften aus heimischen Pflanzenarten durch fremde Arten verdrängt werden, die mit diesen gestörten Standortbedingungen besser umgehen können. Solche Arten sind zum Beispiel der Gewöhnliche Japan-Knöterich (Fallopia japonica)1 oder der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum)2. Aus diesem Grund sollten Landwirte bei der Verwendung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln in der Nähe von Gewässern sehr vorsichtig sein. Die Uferstreifen zwischen Gewässer und landwirtschaftlicher Fläche (Gewässerrandstreifen) sollten regelmäßig auf das Vorkommen von invasiven Arten kontrolliert werden4,5.

1 Starfinger, Uwe & Kowarik, Ingo (2011): Fallopia japonica. Berlin: Bundesamt für Naturschutz. Abrufbar unter:
https://neobiota.bfn.de/handbuch/gefaesspflanzen/fallopia-japonica.html zuletzt abgerufen am: 15.07.2020

2 Starfinger, Uwe & Kowarik, Ingo (2011): Heracleum mantegazzianum. Berlin: Bundesamt für Naturschutz. Abrufbar unter: https://neobiota.bfn.de/handbuch/gefaesspflanzen/heracleum-mantegazzianum.html zuletzt abgerufen am: 15.07.2020

1 BfN (2013) LRT 6430- Feuchte Hochstaudenfluren
abrufbar unter:
https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/natura2000/Dokumente/6430_Feuchte_Hochstaudenfluren.pdf abgerufen am 15.07.2020

2 NLWKN (2011) Vollzugshinweis zum Schutz der FFH-Lebensraumtypen sowie weiteren Biotoptypen mit landesweiter Bedeutung in Niedersachsen – Feuchte Hochstaudenfluren (6430),Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)- Fachbehörde Naturschutz, Hannover abrufbar unter: https://www.nlwkn.niedersachsen.de/naturschutz/natura_2000/vollzugshinweise_arten_und_lebensraumtypen/vollzugshinweise-fuer-arten-und-lebensraumtypen-46103.html#FFH abgerufen am 15.072020

3 LANUV-NRW (2016) Steckbrief des Biotop- und Lebensraumtypenkatalogs NRW – 6430 Feuchte Hochstaudenfluren abrufbar unter:
http://methoden.naturschutzinformationen.nrw.de/methoden/de/anleitung/6430 abgerufen am 15.07.2020

4 Starfinger, u., Kowarik, I. (2011) Fallopia japonica, BfN/Neobiota, Berlin abrufbar unter:
https://neobiota.bfn.de/handbuch/gefaesspflanzen/fallopia-japonica.html abgerufen am 15.07.2020

5 Starfinger, u., Kowarik, I. (2011) Heracleum mantegazzianum, BfN/Neobiota, Berlin  abrufbar unter:
https://neobiota.bfn.de/handbuch/gefaesspflanzen/heracleum-mantegazzianum.html abgerufen am 15.07.2020